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#Interview – Die Apotheke ist ein familienfreundlicher Arbeitsplatz

Interview mit Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer Hamburg

Herr Siemsen, was begeistert Sie an Ihrem Beruf Apotheker?

Bei der Berufswahl hat mir der Zufall ein bisschen geholfen. Ich wollte einen naturwissenschaftlich-technischen Beruf und etwas mit Menschen zu tun haben, aber mein größter Wunsch war damals, mich selbständig zu machen. Durch den Konta

Kai-Peter Siemsen erklärt im Interview, warum die Apotheke ein familienfreundlicher Arbeitsplatz ist.
Foto: Kai-Peter Siemsen, Apothekerkammer Hamburg

kt mit einer PTA reifte der Beschluss, Apotheker zu werden. In diesem Beruf habe ich mit Menschen zu tun und kann ihnen sogar helfen. Außerdem kann ich meine naturwissenschaftlichen Vorlieben in Biologie und insbesondere in Chemie einbringen, das bringt mich weiter. Und man kann den Schritt in die Selbstständigkeit machen. Damit war der Wunsch geboren.
Das Pharmaziestudium folgte und bereitete mir sehr viel Freude. Nach einem Praktikum habe ich gleich in einer öffentlichen Apotheke angefangen und es hat sich erfüllt, was ich mir vorgestellt hatte.
Der Umfang der naturwissenschaftlichen Arbeit ist in jeder Apotheke unterschiedlich. Für mich bedeutet Naturwissenschaft, dass ich die Strukturen von Arzneimitteln kenne und daraus schließen kann, welche Wirkungen und Nebenwirkungen möglich sind. Das begeistert mich.
Selbst nach 30 Jahren als Apotheker erlebe ich jeden Tag Neues. Die Patienten kommen mit Fragen, die mir noch nie gestellt wurden. Das ist einfach spannend.

Welche Aspekte charakterisieren die Apotheke als familienfreundlichen Arbeitsplatz?

Die Teilzeitmöglichkeiten und flexiblen Arbeitszeiten sind sehr familienfreundlich. Zwar haben wir als öffentliche Apotheke die langen Einzelhandelsöffnungszeiten, andererseits hat das den Vorteil, dass die Wiedereingliederung von Mitarbeitern nach der Elternzeit erleichtert wird. So können diese mit ihren Partnern die Kinderbetreuung organisieren und gleichzeitig im Beruf bleiben.
Für den Apotheker als Arbeitgeber ist die Familienfreundlichkeit auch eine Herausforderung. Die Kinder der Mitarbeiter können mal krank sein oder die Kita ist einen Tag geschlossen. Da braucht es dann ein bisschen Organisationstalent und ein flexibles Team Wir schaffen das in der Apotheke.

Gibt es aus Sicht des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin Unterschiede bei Apothekern und Apothekerinnen im Vergleich zu PTA und PKA hinsichtlich der Familienfreundlichkeit?

Prinzipiell gibt es keinen Unterschied. Wenn Sie die einzige Apothekerin oder der einzige Apotheker sind, oder auch die einzige PTA oder PKA, dann haben Sie manchmal das Problem, dass der Laden trotzdem laufen muss. Wenn ein angestellter Apotheker ausfällt, muss der Apothekenleiter oder die Apothekenleiterin auf jeden Fall selber da sein. Es muss immer ein approbierter Apotheker in der Apotheke anwesend sein. Aber je größer das Team, desto mehr Möglichkeiten. Das heißt aber nicht, dass Mitarbeiter kleiner Apotheken nicht auch flexibel sind. Oftmals ist es dann wie eine Familie, wo jeder auf den anderen Rücksicht nimmt. Wichtig ist, dass alle in die gleiche Richtung denken. Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber flexibel sind und etwas Organisationsgeschick haben, ist Vieles möglich.

Wie bringen Sie in der Apotheke Arbeit und Familie unter einen Hut?

Meine Kinder sind schon erwachsen und selber im Beruf. Aber ich bin mit meiner Apotheke kurz vor der Geburt meiner Tochter in die Selbständigkeit gegangen. Damals ist meine Frau, die ebenfalls Apothekerin ist, zu Hause geblieben. Sie ist aber relativ schnell in Teilzeit wieder in den Beruf zurückgekommen und hat sich dann sogar selbständig gemacht, wodurch wir uns noch besser organisieren mussten. Inzwischen hatten wir zwei Kinder. Auch das war möglich. In beiden Apotheken waren die Mitarbeiter flexibel. Da waren eben auch Mütter und Väter. Das ist der Vorteil, wenn alle Seiten flexibel sind, ist es auch für den Arbeitgeber möglich, seine Arbeit, die öffnungszeitengebunden ist, so einzuteilen, dass man Kinderbetreuung ganz gut hinkriegt. Meine Frau und ich haben uns damals abgewechselt.
Heute kann ich wegen eines Unfalls nicht mehr so lange stehen oder gehen und arbeite deshalb flexibel. Da bin ich nicht mehr so viel vorne in der Kundenbetreuung und Arzneimittelabgabe, sondern erledige Arbeiten im Backoffice, auch PKA-Tätigkeiten. Im Team muss jeder alles machen können. Klar gibt es Aufgabenteilung, aber es wird sich gegenseitig geholfen. Als Apotheker macht es mir nichts aus, auch mal in Bereichen zu arbeiten, die der Approbierte nicht jeden Tag abdeckt. Das verschafft mir zudem wichtige Einblicke und ermöglicht Optimierungen.

Gibt es Vorteile für den Arbeitgeber, wenn der Betrieb familienfreundlich ist?

Die Angestellten kommen oft sehr motiviert aus der Elternzeit zurück und davon profitiert der Betrieb. Diese Teilzeitkräfte sind dann froh, sich in der Apotheke nicht um Windeln oder Spucktücher kümmern zu müssen und sie genießen die pharmazeutische Arbeit.
Wenn das Team richtig gut zusammengestellt ist und funktioniert, wenn der Arbeitgeber für familienfreundliche Bedingungen sorgt und alle Seiten flexibel sind, dann haben Sie ein gutes Betriebsklima. Ich habe es erlebt, dass sich in Apotheken persönliche Freundschaften über die Arbeit hinaus entwickeln.

Vielen Dank für Ihre Zeit und für Ihre Offenheit.